• Menü
  • Nachrichten
  • Veranstaltungen
  • Nachrichten & Veranstaltungen
  • Seite

Leitgedanken

Hier sind alle Leitgedanken aus den Pfarrbriefen seit Oktober 2002 zu finden:

Verlass uns nicht!

Ein wunderbares Chanson von Jacques Brel bittet inständig:
"Ne me quitte pas - Verlass mich nicht!"
Das ist auch unsere Bitte am Anfang des neuen Jahres. Sie richtet sich nicht an eine Geliebte, sondern an unseren Gott: Verlass uns nicht!

Das Jahr 2007 liegt ja vor uns - ein weites Feld voller Geheimnisse.

Das Jahr wird uns vor Aufgaben stellen - in großer Verantwortung und schwerer Bürde.

Das Jahr wird uns überraschen - viel Kraft wird uns zukommen müssen.

Das Jahr wird uns heimsuchen - manch bittere Nachricht wird uns treffen.

Das Jahr wird seinen Weg gehen - zwölf Monate geschenkte Zeit sind zu füllen.

Das Jahr nährt sich auch aus den Hypotheken des letzten Jahres - Lasten sind zu bewältigen.

Das Jahr hat Neues im Gepäck - völlig Unbekanntes werden wir erleben.

Darum bitten wir Gott vor allem Anfang: Verlass uns nicht!
Wir brauchen Gottes Nähe, die tragen und bergen soll, wenn die Ereignisse der neuen Zeit unser Leben bestimmen. So Vieles geschieht an Frohem und Schwerem, was über unsere Kraft geht.
Deshalb setzen wir auf die Kraft Gottes, der das Gesetz dieser Zeit kennt und uns darin beistehen kann: Verlass uns nicht!

Josef Voß

Tu dich rein!

Genieße den Februar!

Er hat alles, was in deinem Leben Platz findet.

Er ist gemächlich zu Anfang und folgt seinem ruhigen Lebensschritt. Geh so deinen Weg!

Er feiert die Liebe am Valentinstag. Suche deine Liebe wieder auf! Stecke sie an und finde das Schöne darin.

Doch dann dreht der Februar auf und feiert ausgelassen in bunten Kostümen. Lass dich mitreißen von der Fröhlichkeit und Farbigkeit deines Lebens! Nimm nicht alles todernst. Es reicht, wenn du es bei den wirklich wichtigen Dingen tust.

Er kriegt das Aschenzeichen und nimmt scharf die Kurve, der Februar. Das ist seine Aufforderung an dich. Dreh dich um! Wende dein Leben zum Besseren. Es hat es verdient.

Nimm den normalen stetigen Schritt wieder auf. Lenke dich auf Wege, die notwendend sind und deshalb Glück verheißen.

Tu dich rein! Ganz und gar in den Februar.

Josef Voß

Sieh dich an!

Es soll ein Abend zum Durchatmen werden, eine Insel im hektischen Fluss der Zeit. Dieser Abend will uns die ruhige Seite unseres Lebens zeigen, die ja auch zu uns gehört.

Also tauchen wir ein in die ganz andere Welt der schweigenden Mönche. Wir wandern durch ihr Leben.

Geräusche gibt es wenige. Nur das Klappern von Küchengeräten oder Werkzeugen, das Knarren und Quietschen von Türen oder Fenstern. Wohl klingt das gemeinsame Beten und Singen der Mönche frisch in unser Ohr.

Der Film "Die große Stille", den wir im März zeigen, atmet im regelmäßigen Rhythmus des Schweigens. In diesem Schweigen schauen uns die Mönche in Großaufnahmen an.

Der Film ist ein Symbol für die Echtheit des Lebens: keine Seichtheit, keine schrillen Momente, keine Effekthascherei. Nur das Nötige und Wichtige. Das aber gründlich und schön. Gott und der Mensch. Ganz einfach, aber wahrhaftig.

Der Film ist eine Aufforderung an uns: Lass dich anschauen von diesen stillen Menschen! Suche mit ihnen nach der Echtheit deines eigenen Lebens. Suche Abstand vom Stress deiner Tage. Suche den Boden, auf dem du stehst. Suche das, was wesentlich ist. Suche nach dir selbst und suche nach Gott. Was die Mönche tun, tue selber: Sieh dich an!

Josef Voß

Lebenszeichen

Der Weg über unsere Friedhöfe offenbart, ob wir glauben und was wir glauben.

Da ist immer wieder das Kreuz. Todeszeichen des Einen auf Golgotha. Lebenszeichen aus dem Glauben der Auferstehung für die Vielen, die Christus folgen durch den eigenen Tod: Kreuz des Lebens.

Da ist die Stele des Weizenkorns, das in der Erde vergeht und neues Leben gebiert.

Da ist eine Treppe, die durch das Tor zum Leben führt und in die Weite der Ewigkeit weist.

Da ist das Wort vom Schöpfer des Lebens, von der Heimkehr zu ihm und das Wort von dem, der unser Leben und Sterben in seiner Hand hält.
Der Weg über die Friedhöfe ist der Weg durch die Heilige Woche: Karfreitag und Ostern. Tod und Auferstehung.

Symbole und Worte drücken unseren Glauben aus. Sie sind Ausrufezeichen unserer Hoffnung. Denn am Ort des Todes sprechen wir vom Gott des Lebens. Ostern wird auf den Friedhof geholt.

Ostern kommt von Gott. Aber Ostern geht weiter durch das Zeugnis, das wir geben. Es hat Raum in einem bildhaften Glauben und in einer sprechenden Hoffnung. Es durchwirkt das Leben in den Zuwendungen, die wir einander schenken. Wir sind dankbar für alle diese Lebenszeichen.

Josef Voß

Premiere

Der erste Schultag, das erste Vorspielen auf dem Klavier, die erste Freundin, die erste Arbeitsstelle - das hat alles etwas Besonderes:
eine Spannung,
eine Freude,
eine Unsicherheit und
das Glück der Premiere.
Unser Leben ist durchwebt mit Premieren. Wir leben damit und meistens erinnern wir uns gerne an sie.

Eine besondere Premiere feiern wir in unseren Gemeinden. Frank Schürkens wird am 26. Mai 2007 im Dom zum Priester geweiht und feiert mit uns seine erste Eucharistie an Pfingsten: seine Primiz.

Die Freude über seine Entscheidung, unsere gemeinsame Zeit während seines Diakonatsjahres, die Nervosität des Anfangs werden diesen Tag prägen.

Wir lassen uns anstecken von der Freude dieses Ereignisses und deuten es für uns als pfingstliche Ermutigung für unser Christsein. Menschen bringen ihr Leben in Verbindung mit dem Weg Jesu. Jeder wählt seine Form dieses Weges. Und wenn er sie gewählt hat, wird er noch manche Premiere erleben mit ihrer Spannung und mit ihrem Glück.

Josef Voß

zurückschalten

Im Auto einen Gang zurückschalten müssen, ist für viele ein Gräuel. Denn sie müssen langsamer werden. Vielleicht weil einer vor ihnen träumt oder die Ampel Rot zeigt. Wer eilig ist und schnell an ein Ziel will, der schaltet nicht zurück.

"Der Eilige und der Gelassene treffen sich an der Fähre", las ich bei Jörg Zink. Ein Afrikaner habe erzählt, dass die Menschen in seiner Heimat früh zum Fluss gehen, über den es keine Brücke gibt. Nur eine Fähre. Und alle - die Eiligen und Langsamen, die Jungen und Alten - treffen sich an der Fähre, um den Fluss zu überqueren. Die Fähre macht sie wieder gleich.

Warum nicht von der Geschichte lernen?
Freiwillig einen Gang zurückschalten. Dafür muss man nicht im Auto sitzen. Die Eile aus dem Tagesablauf herausnehmen und ruhiger zu Werke gehen. Die Ungeduld in den Erwartungen an andere bremsen und ihnen Zeit einräumen. Die Überforderung an sich selbst zurückdrehen und sich Raum zur Entfaltung gönnen. Den Erfolgsdruck aus dem eigenen Tun ziehen und etwas schief gehen lassen können.
Die Sommerzeit hat für viele eine große Pause bereit. Das wäre eine Gelegenheit, den Gang im normalen Lebensablauf mal zurückzuschalten. Zeit finden und erkennen, dass das hochtourige Leben keineswegs immer ein Genuss ist. Darum zurückschalten und das Leben leben lassen.

Josef Voß

Alltag

In den Ferien sah ich das Schiff.
Es lag fest vertäut sicher im Hafen.

Das ist das Bild für mich. Ich bin wieder angekommen. Festgemacht im Hafen des Alltags.
Es stimmt: Der Alltag bindet mich häufig. Aber diese Bindung schreckt mich nicht. Der Alltag hat immer wieder dieselben bewährten Wege. Aber das Wiederkehren des Bewährten reibt mich nicht auf. Ich empfinde es auch als Erleichterung. Denn es gibt mir Sicherheit. Ich schlingere nicht ständig zwischen Überraschungen hin und her. Ich kann im Lauf des Normalen leben. Das schont die Nerven und spart Energien. Das ist gut.
Denn es wird irgendwann unverhofft Dinge geben, die plötzlich und mit großem Kraftaufwand zu bewältigen sind. Dafür kann ich meine Reserven aufheben. Dann kann ich sie gut gebrauchen.
Auch der Alltag hat seine Gnade.

Josef Voß

Lauter

Was lauter ist, rein, echt, das tut unserem Leben gut. Lautere Menschen leben ohne Verstellungen. Wir treffen sie in ihrer Wesensmitte an.

Die Heilige Schrift unseres Glaubens sagt in Psalm 12:
"Die Worte des Herrn sind lautere Worte."

Diese Worte tun unserem Leben gut. Denn sie wollen das Leben umarmen und bejahen.
Diese Worte lassen uns in das Herz Gottes schauen. Da lebt er für uns.
Da ist er in Sorge um uns, wenn wir uns in unlautere Geschäfte verstricken. Seine Worte zeigen andere Lebensführung an.
Da ist er traurig über uns, wenn wir unlautere Pläne hegen und ausführen. Seine Worte tragen die Versprechen der Befreiung und des Heilens.

Die lauteren Worte Gottes haben immer die Absicht, unser Leben auf lohnenden Weg zu führen, es zu retten, es für immer bei Gott zu bergen.
Die lauteren Worte Gottes tragen in sich das Leben des Himmels. Wir können sie wahrnehmen. Wenn wir sie hören - tiefer als mit den Ohren -, dann können wir das Leben aufnehmen.
Wenn wir das Leben aufnehmen, werden wir selber zu lauteren Menschen und tun dieser Welt gut.

Josef Voß

Gast sein

Seien Sie bitte mein Gast!
Da lädt mich jemand ein. Er will mir Gutes. Ihm ist offensichtlich an mir und meinem Wohlergehen gelegen.

Im Grunde sind wir alle und jederzeit Gäste.
Wir sind Gäste in diesem Leben. Weder haben wir das Leben noch haben wir die Zeit gemacht. Aber wir sind gastlich in das Leben aufgenommen.
Wir sind Gäste in der Schöpfung. Niemand von uns verantwortet die Schöpfung in ihren großen Zusammenhängen. Sicher, wir arbeiten darin mit den Kräften unseres Körpers, mit den Fähigkeiten unseres Verstandes und mit vielen technischen Hilfsmitteln. Doch die Rahmenbedingungen sind uns gegeben und reizen mit ihren Geheimnissen nach immer tieferem Erforschen. Wir sind eifrige Gäste im Erkennen des  Schöpfungsgeschehens. Der Herbst lässt uns das Gastsein in der Schöpfung ganz tief schmecken. Der Biss in den reifen Apfel, die leckeren neuen Kartoffeln, der Blick über die warmen Farben - alles das nicht von uns gemacht. Bestenfalls haben wir mitgeholfen, aber zum Genießen und Teilen ist es geschenkt.

Es ist eine Lust, bei Gott Gast in seiner Schöpfung zu sein! Denn ihm ist an seinen Menschen und deren Wohlergehen alles gelegen.

Josef Voß

Vergänglichkeit

Selbstbewusst zeigt ihn die Werbung eines Kreditinstituts: "Meine Villa, meine Yacht, mein Reitpferd..." Fotos all dieser Erfolge fliegen durch die Gegend. Das ist der Gewinnertyp!
Ich bin es nicht. Ich bin Arbeiter auf den Baustellen meines Lebens. Und nach langem Mühen gibt es dort immer noch viel Unvollendetes. Manche Baustelle liegt schon hinter mir. Was blieb?

Ich erinnere mich an ein Wort von Henning Luther: "Wir sind immer auch gleichsam Ruinen unserer Vergangenheit, Fragmente zerbrochener Hoffnungen, verronnener Lebensentwürfe, vertaner und verspielter Chancen."
Keiner kennt nur Gelingen und Erfolg. Mögen die flotten Sprüche auch noch so tönen.
Der November lässt mich meine Wirklichkeit ehrlich anschauen. Alles, was ich bin, und alles, was ich tue, trägt den Keim des Vergänglichen und des Unvollendeten in sich. Das ist meine Natur. Meine Menschlichkeit.

Die Botschaft des Glaubens sagt mir: Damit kannst du leben. Nicht deine Erfolge zählen. Wohl dein echtes Mühen. Auch deine Arbeit.
Die Vollendung steht in der Hand eines ganz anderen.
Auf den will ich mich verlassen.

Josef Voß

Gott fällt tief

Keine Invasion
zur Zwangsbefreiung
mit Bombenteppich und Granatenhagel

Kein Event
arenamäßig aufgemotzt
mit Show und Promis

Gott kommt
das Licht in Dunkelheiten
in Deinen

Bis in die Tiefe fällt das Licht ein, weil tief unten die Dunkelheit am größten ist.
Tief unten kommt Gott an, damit wir auch dort nicht alleingelassen sind.
Lichtvolle, gesegnete Weihnachten!

Josef Voß