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Leitgedanken

Hier sind alle Leitgedanken aus den Pfarrbriefen seit Oktober 2002 zu finden:

Ehrfurcht

Die Ehrfurcht gilt als eine königliche Tugend. Aber sie wird immer mehr vergessen. Es scheint sogar, dass viele dieses Wort und seinen Inhalt kaum kennen. Dennoch ist Ehrfurcht wichtig.

Das neue Jahr steht vor uns. Ein großes Stück unverstrichener Zeit, die wir annehmen und füllen dürfen.
Kein Tag des neuen Jahres wird einem anderen Tag gleichen. Egal ob wir die Tage unserer Vergangenheit oder die Tage der Zukunft in den Blick nehmen. Jeder Tag ist ein Original. Die Zeit kennt keine Kopien.
Wenn ich darüber nachdenke, empfinde ich Ehrfurcht gegenüber dem Geheimnis der Zeit, das Sekunde um Sekunde in meine Gegenwart tritt. Ehrfurcht auch gegenüber dem reichen Schatz an Möglichkeiten, die mir gegeben sind, etwas aus der Zeit zu machen, sie zu meiner Zeit zu machen.
Wer ehrfürchtig seine Lebenszeit anschaut, der wird sie so schnell nicht vergewaltigen, nicht vertun, nicht verschwenden, nicht verplempern. Sie ist ja geschenkt. Aber nicht in unendlichem Maße in dieser Welt.
Wenn Gott die Zeit einmal außer Kraft setzt und in die Ewigkeit einlädt, dann möchte ich meine Zeit dankbar anschauen dürfen und mich freuen über die Ehrfurcht, die ich vor ihr hatte.

Josef Voß

Die neuen Freitage

In der Fastenzeit spielen die Freitage eine besondere Rolle. Sie sind die alten Fastentage. Deshalb werden wir sie mit einem Fastengebet besonders betonen und folgende Themen ansprechen:

Veränderung
Wer seine Lebenspläne scheitern sieht, der sucht nach einer Veränderung.

Gemeinsam unterwegs
Wer sich allein zu klein und zu einsam fühlt, der braucht Weggefährten.

Ein Flüstern in der Nacht
Wer den Lärm des Tages nicht mehr hören will, der ist dankbar für die stillen Botschaften der Nacht.

Einmal im Jahr
Wer im täglich Normalen unterzugehen droht, der freut sich am einmalig Besonderen.

Verletzte Welt
Wer die Augen öffnet für die aktuellen Zustände und Geschehnisse, der leidet an den Verletzungen der Schöpfung

Menschen aller Rassen
Wer sich nicht in sein Schneckenhaus verkriecht, der erkennt sich in der Weltgemeinschaft aller Menschen

Geben Sie Ihrem Freitag mit uns ein neues Gesicht. Entdecken Sie Ihren Fastentag. Wir laden dazu herzlich ein.

Josef Voß

Osteraugen

Der verstorbene Bischof Klaus Hemmerle hat einen Text verfasst mit dem Titel: „Ich wünsche uns Osteraugen“. Er hat mich ermutigt in dem Wunsch, ein „österlicher Mensch“ zu werden...

Wie gerne hätte ich Osterhände, die in verloren geglaubten Situationen wieder zupacken und helfen können. - Ist die Wirkung nicht schon zum Anfassen nahe?

Wie gerne hätte ich Osterfüße, die sich auf den Weg machen, auch wenn das Ziel im Dunkel liegt. - Schimmert da nicht in der Ferne schon ein erstes Licht?

Wie gerne hätte ich Osterohren, die in der Trauerarie auch die Lebenskantilene hören. -
Ist das „Halleluja“ nicht schon im Anklingen?

Ich wünsche uns Ostervertrauen, dass wir auch im Tod immer das Leben als Ziel sehen.

Ich wünsche uns Ostervertrauen, dass unsere Arbeit mit den Kommunionkindern und deren Eltern nachhaltig Früchte trägt.
Ich wünsche uns Ostervertrauen, dass die Sorgen um die Zukunft unserer Gemeinden kleiner werden, weil so viele schon helfen und wir auf gutem Weg sind.

Wir Christen können dankbar sein – wir sind doch wahrhaft österliche Menschen.

Ihr Kirchenmusiker
Angelo Scholly

Frieden

Menschen in unserer Nachbarschaft sind Muslime. Lernen wir sie kennen!

Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger lernten, sich für die Fremden, die Unbekannten, zu öffnen. Sie lernten durch diese Begegnungen einen tiefen Glauben kennen.

Für viele Christinnen und Christen nach Jesus bedeutet das, immer wieder zu lernen, sich dem Fremden zu öffnen und dadurch den Gott der alten Schriften intensiver zu verstehen, um so Vielfalt für ihr Leben und ihren Glauben zu gewinnen.

Jesus lebt weiter, wo Menschen aller Völker sich versammeln, damit sie zu einen Gott beten, der verschiedene Namen hat.

Alle sind eingeladen, das Gebetshaus - die Moschee - kennen zu lernen. So können wir lernen, wie Fremdes vertrauter wird und wie wir Eigenes genauer benennen können.

Ist das Frieden?

Christa Baggen

Perfektes Leben?

"Was hast Du aus Deinem Leben gemacht?", fragt Kommissar Morín, als er vor dem toten ehemaligen Schulkameraden steht, der anscheinend ein perfektes Leben geführt hatte.
Und Morín wollte sein eigenes Leben noch einmal rückwärts laufen lassen. Er wollte dieses verfehlte Leben ablegen und den Punkt finden, an dem er wieder ganz von Neuem beginnen könnte.

Alles ungeschehen machen und von vorne beginnen? Das ist uns nicht gegeben.
Das Vergangene gehört zu uns. Es ist in den Raum der Vergebung zu
stellen.

Das Zukünftige jedoch können wir mit neuem Mut angehen. So, dass wir es nicht wieder zurückdrehen möchten.

Die Kraft Gottes, sein Heiliger Geist, macht uns dazu stark. Er ist ja die Liebe zu allem Lebendigen und Warnung vor Gefahr. Er hilft uns zur Vergebung und zur Aussöhnung mit uns selbst. Er gibt uns Orientierung, dass wir heute die richtigen Weichen für morgen stellen.

Das wünsche ich allen zu Pfingsten: Dass auch das nicht immer perfekte Leben auf einem guten Weg nach vorne weitergeht.

Josef Voß

Laudes organi

Ein Lob der Orgel - das darf in diesem Monat einmal gesagt werden.  Seit 20 Jahren ist die älteste Orgel der Stadt Aachen, die Maaß-Orgel in St. Martinus nach der Restaurierung wieder in ursprünglicher Klangpracht zu hören. Mit den Orgeln in St. Heinrich und allen Kirchen hat sie wichtige Funktionen. Denn die auf der Orgel gespielte Musik ist ein elementarer Bestandteil der Liturgie: vom feierlichen Einzug bei einer Trauung oder Festmesse bis hin zum meditativen Spiel bei Trauer- und Auferstehungsgottesdiensten, vom Begleiten der Gesänge im Schulgottesdienst bis zur Improvisation bei einer Wortgottesfeier, von ernsten Klängen der frühen Orgelliteratur bis zu manchem versteckten Hit am Karnevalssonntag.

Gut, dass Musik unsere Liturgie und unser Leben bereichert.
Gut, dass es viele Interessierte dafür gibt in unseren Gemeinden.
Gut, dass die Orgel als Königin der Instrumente uns berühren kann.
Im Juni feiern wir dies in der Richtericher Orgelwoche.

Ihr Angelo Scholly

Ferien im Paradies

Ferien im Paradies
Wissen Sie, wo das Paradies gelegen ist?
Am Anfang der Zeit vielleicht, in der jenseitigen Welt oder irgendwo im Zweistromland?
Liegt es nicht neben uns - im Hier und Jetzt?
Bietet die sommerliche Ferienzeit eine größere Chance als der gewöhnliche Alltag, dass es uns gelingt, unser Paradies zu entdecken?
. . . aber sicher ist das nicht. Es könnte sein, dass wir die Art, wie wir im Alltag, im Berufsleben unsere Zeit gestalten, auch für die Ferienzeit übernehmen.
Dass wir dazu neigen, die kostbare Zeit schon wieder zu verplanen, noch bevor sie angefangen hat.
Und so verpassen, was wir so sehr wünschen: den Augenblick zu leben, Ruhe zu finden.
Ruhen, erholen, Zeit haben, auch darüber nachsinnen und betrachten, was zu meinem Leben gehört, welche Wünsche oder Träume ich habe. Einmal ohne Zeitdruck mit meinen Kindern, meinem Partner oder Menschen, mit denen ich lebe, sprechen; ihnen zuhören, mitbekommen was sie sich ersehnen.
Daraus kann die Kraft erwachsen für neue Aufgaben, für den Alltag.
Urlaub ist dann mehr als ein berechtigtes Arbeitnehmerinteresse, mehr als eine angenehme Unterbrechung unseres Schul- und Berufsalltags. Urlaub kann dann ein Zipfel des Paradieses sein!

Christa Baggen
Gemeindereferentin

Fundsachen

Aus dem Sommer habe ich ein paar interessante Fundsachen für meinen Alltag mitgebracht.

Ich fand die Muße.
Ohne Druck und ohne Zwang etwas tun können oder etwas sein lassen. Nur leben, atmen, essen, trinken.

Ich fand den bewussten Blick.
Etwas genau wahrnehmen. Sich einem Detail widmen. Sinn haben für Nebensächliches und es wertschätzen.

Ich fand die Lust am Dasein.
Gewahr werden, dass ich lebe. Erkennen, dass Menschen mich mögen. Wissen, dass sie mich vermissen, wenn ich weg bin.

Ich fand die Gelassenheit.
Alles darf mal langsamer gehen. Auch ich. Nichts muss heute fertig werden. So wichtig sind die Dinge oft nicht. Das Meiste geschieht auch ohne mich. Und das gut.

Ich staune über meine sommerlichen Fundsachen. Ich will sie wie Schätze aufheben für die emsigen Zeiten, in denen ich jetzt wieder lebe:

  • Ich will Muße pflegen - fünf Minuten pro Tag.

  • Ich will bewusst hinschauen - so oft es geht.

  • Ich will mein Dasein lieben - wie Gott es tut.

  • Ich will die Gelassenheit bewahren - denn sie macht mich menschlich.

Josef Voß

Geiz geil?

Ist

Gut, dass es Landwirte gibt,
die unsere Ernte besorgen.
Gut, dass es Bäcker und Metzger gibt,
die aus dieser Ernte unsere Lebensmittel herstellen.
Dafür sagen wir Dank. Erntedank.

Nicht immer ist der Lohn auch der Ernte angemessen,
Wir möchten günstig einkaufen, Brot und Milch beim Discounter um die Ecke zum Schnäppchenpreis bekommen.
Dies setzt z.B. die Landwirte unter Kostendruck.
Aber die Werbung rät uns doch:
Geiz ist geil.

Wir könnten alle einen Teil unserer Ernte einsetzen:
Früchte bringen ja auch unsere Talente,
Früchte bringt auch ein sorgsamer Umgang mit unseren Ressourcen,
Früchte bringt auch bewusstes Einkaufen unserer Lebensmittel.

Geiz ist gottlos, heißt die Kampagne eines Hilfswerks.
Geiz ist lieblos und damit gottlos.

Nur wenn die Ernte geizlos verteilt wird, kommt sie an.

Angelo Scholly

Tanz des Lebens

Hätten wir eine Wahl: das Schwere oder das Leichte? Wofür würden wir uns entscheiden? Das Leichte scheint nicht unser größtes Problem zu sein. Wir sind oft so sehr darum bemüht, unser Leben leicht und mühelos zu gestalten, dass wir Leid und Tod ausblenden. Aber sie gehören unausweichlich zum Leben dazu.
Denn das Leben selbst bereitet uns jeden Tag auf den Tod vor; genug, wenn man der Lebensmelodie zuhört, sie ansieht, ihr folgt. Mal in großen, mal in kleinen Schritten erklärt sie uns den Tod. Manchmal ohne überhaupt wehzutun. Dann wiederum geschieht es, dass uns der Schmerz fast zerreißt.

"Ich lebe und das heißt ich tanze mit dem Tod [...] nicht, weil ich's will, sondern weil ich einfach muss."
So heißt es in einem Lied von Hermann van Veen. Leben wir! Hören wir auf unsere Melodie und beginnen wir danach zu tanzen. Tanzend durch das Leben gehen; nicht leichtsinnig oder leichtfertig, das ist die Aufforderung: Tanzen zu lernen! Tod und Schmerz nicht verdrängen, um so zur wirklichen Lebensfreude zurück zu kommen.

Dann können wir mit dem Psalmbeter sprechen: "Herr, du hast mich herausgeholt aus dem Reich des Todes. Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet."

Christa Baggen

Mauern

Mauern schützen. Mauern trennen.
Die einen brauchen wir. Die anderen müssen wir einreißen.

Wir bauen Mauern, um unser Leben zu bergen. Wir bauen Mauern, um uns abzugrenzen von anderen: Berliner Mauer - Mauer in den Köpfen, Mauer in den Herzen, Mauer im Leben.

An Weihnachten werden wir feiern, dass Gott die Mauer zwischen sich und uns niederreißt. Keine Trennung mehr zwischen Himmel und Erde. Auch keine zwischen Gott und Menschen.

Deshalb müssen unsere Abgrenzungsmauern zwischen den Menschen weg. Sie vertragen sich nicht mit einem Gott, der Nähe sucht und die Menschen alle retten wird. Alle! Nicht nur die Frommen. Nicht nur die Christen. Nicht nur die Spendablen. Nicht nur die „Anständigen“. Nicht nur die Schuldlosen.

Weihnachten: Gott gibt uns freie Bahn zum Leben. Das müssen auch wir füreinander tun. Darum müssen die Mauern weg!

Josef Voß